„Ja“ ist ein Schlüsselwort des Glaubens. Gott spricht „Ja“ zum Leben und das Leben wird und es wird „sehr gut“. (Gen 1) Gott spricht durch den Propheten: „Ich habe dich je und je geliebt.“ (Jes 43) Das lebendige Wort Gottes spricht uns durch Jesus Christus zu: „Ich lebe und ihr sollt auch leben.“ (Joh 14)

Und wo „Anschauung und Gefühl“ – die Schlüsselworte für Religion des großen liberalen Theologen und Zeitgenossen von Imanuel Kant, Daniel Friedrich Ernst Schleiermacher – an Schranken kommen, da spricht uns in diesem Jahr die Losung der Herrnhuter Brüdergemeine zu:

„Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.“ (Offenbarung 21,5)

Schleiermacher war Herrnhuter und
Losungen begleiteten schon ihn Tag für Tag. Vielleicht waren auch die folgenden Verse mal dabei, die Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe herausgesucht und ins Bild gesetzt haben zum Thema Vergebung.

Starke Worte! Fast zu stark, um wahr werden zu können, oder? Was wäre los in uns, um uns, in unserer Welt, wenn nur das unser aller Credo wäre! Vergebung! Vergebung: Unsere Losung, unser Codex!

Was wären wir freundlich miteinander! Wie viel mehr würden wir zusammenhalten, einander helfen, miteinander weiterkommen, uns freuen und trösten und annehmen und wertschätzen!

Ich male mir das mal aus. 7 Mal am Tag Stress mit einer Person, die mir am nächsten ist. Am frühen Morgen vielleicht direkt mit einem Streit in den Tag. Das braucht niemand, passiert aber. Am Ende nur ein Fall von Morgengrummel. Ach, Schwamm drüber, Frühstück drauf.

Eine halbe Stunde später aber wieder
Ärger. Hmpf. Hatten wir das nicht gerade? Und im Mittagsloch dann nochmal?! Das wird wohl nichts mit uns beiden heute. Am Nachmittag Streit Nr. 4. Jetzt fällt mir ein Spruch ein: „Bist du wütend zähl bis 4. Hilft das nicht, dann explodier.“

Das Credo der biblischen Ethik ist anders. Die 7 ist hier die Zahl der Wahl und in heiligem Verbund steht sie mit der Kraft der Vergebung. Was für eine großartige Ethik! Eine Ethik der Freundschaft!

Die Jugendlichen der Reli-Klasse in der Mittelstufe definieren diese Ethik so:

„Freundschaft heißt, auch Fehler zuzulassen und einander zu verzeihen. Niemand ist perfekt. Freunde bleiben im Gespräch und geben sich eine neue Chance.“

Ein Lied voll Anschauung und Gefühl singt von Gott: „Gott sagt zu dir: Ich hab dich lieb. Ich wär so gern dein Freund.“

Freundschaft und Vergebung sind das ABC christlicher Ehtik! Sie sind kein Buch mit 7 Siegeln, sie sind ganz real möglich. Eine Kunst, sie zu leben? Das ja. Eine tiefe Freude und Kraft und Segen: Das auch!

 

Pfarrer Gerhard Last