Sorry / Is all that you can’t say …
Forgive me / Is all that you can’t say …
Ein starker Song aus den 80ern von Tracy Chapman. Das Lied ringt um Worte, die zusammenführen: „Sorry“ und „Vergib mir“ und auch „Ich liebe dich“ – das geht alles nicht so leicht über die Lippen.
Sorry seems to be the hardest word, sang Elton John schon ein paar Jahre früher und zusammen mit der Boyband Blue Anfang der 2000er wieder.
Was ist das mit dem Um-Vergebung-Bitten, dass es so leicht ein Um-Vergebung-Ringen wird? Wie zufällig steht die Vergebung im Mittelpunkt des Gebets der Christenheit, im Vaterunser?
Einer der Mittelpunkte in der Arbeit von Lebensberatung und Therapie ist, wie in der Arbeit der Seelsorge auch, das Thema: Schuld und Vergebung. Ich bin überzeugt – so sehr jede Einzelgeschichte ihren eigenen Hintergrund hat und per se einzigartig ist – diese tiefen Bewegungen in Herz und Seele sind etwas allgemein und zutiefst Menschliches.
Wie stimmig und wahrhaftig, dass schon in den Anfangsgeschichten der Bibel das Thema durchgespielt wird. Adam und Eva fällt es in den Schoß wie zuvor das Paradies Erde an sich und dann der Apfel vom Baum. Kain und Abel sind, im Ernst betrachtet, kaum auszuhalten, und Gottes Regenbogen über der Welt, nachdem sie den monumentalen, göttlichen „Schwamm drüber“ bekommen hat, steht am grauen Firmament eines abziehenden Unwetters.
Ob es in Ordnung ist, dass mir mit meiner christlichen Brille die Taufe als Deutungsschablone einfällt? Die Sintflut als Wegwaschen der Schuld und der Regenbogen als unbedingte Zusage an die „neue Kreatur“?
Eine Erkenntnis aus den Überlegungen zum Thema dieser Ausgabe ist, liebe Leserinnen und Leser: Es gibt hier nicht die eine Antwort. Vergebung ist nicht so einfach. Und ein aufrichtiges „Sorry“ eines der schwersten Worte.
Wer kennt es nicht? Ein richtig schlechtes Gewissen ist auch nach der hundertsten Beteuerung nicht entschuldigt. Es bleibt. Hartnäckig, bohrend, zehrend. Erst – Ja, erst, wenn die Entschuldigung zugesprochen und die Vergebung erfahren wird, erst dann kann das Gewissen wieder frei werden, können sich Herz und Seele aufrichten, zuwenden und – neu leben.
„Ich lasse dich nicht“, spricht der Urahn Jakob bei seinem Kampf am Jabbok mit – ja, mit wem? (Gen 32) Er ringt um Vergebung. Es ist ein Tanz mit viel und mächtig Bewegung, Veränderung im Werden. „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“, sagt Jakob schließlich. Es kann erst weitergehen, wenn sein Gegenüber ihn annimmt und segnet. Erst dann kann Jakob loslassen.
Jakob geht verändert aus diesem Tanz, zum Guten und zukunftsträchtig: Er wird umgetauft in Israel (Vers 29).
Das ist die Hoffnung und die Verheißung gerade auch in der Zeit auf Ostern hin – und ich deute es auf meine kleine wie auf unsre große Welt hin:
Unsere Tänze mögen in Segen enden!
Vergebung wird uns dabei helfen.
Ihr Pfarrer Gerhard Last

