Menschenfreundlich im Sterben begleitet werden

Pfarrerin Markert im Gespräch mit Martina Gröschner vom Elisabeth-Hospizverein Dachau eV., Kirchenvorsteherin und Vertrauensfrau an der Friedenskirche

In welcher Situation wenden sich Menschen an Sie – und wie können Sie konkret helfen?

Oft melden sich verzweifelte Angehörige bei uns, wenn die Krise zu Hause sehr groß ist. Sie haben dann schon eine lange Zeit der Pflege und des Kümmerns hinter sich. Dann wissen sie einfach nicht mehr weiter und suchen Unterstützung. Z.B. nach einem Krankenhausaufenthalt. Häufig sind es Stürze in der häuslichen Umgebung, die Krisen einleiten oder verstärken. Manchmal kommt zu einem Beinbruch noch eine andere Erkrankung dazu, weil der Körper geschwächt ist oder es wird eine schwerwiegende Erkrankung erkannt. Das bringt das Fass an Erträglichem zum Überlaufen.

Was will der Mensch noch am Lebensende und was will er nicht mehr? Das sind häufig gestellte Fragen. Wir überlegen in dem Fall gemeinsam, wie und wo es dann weitergeht.

Eine weitere Situation könnte sein, dass die zu pflegende Person nicht mehr isst und trinkt und die Angehörigen dabei Unterstützung benötigen, um Sicherheit in der letzten Begleitung zu erhalten.

Wir werden aber auch oft von Pflegeeinrichtungen um Unterstützung in der Begleitung angefragt, wenn der Mensch am Lebensende zu sein scheint.

Die Familien wohnen teilweise sehr weit verstreut in der Welt. Dann ist es für die Angehörigen eine große Unterstützung und Entlastung, wenn wir vor Ort sind. Unsere ehrenamtlichen Hospizbegleiter*innen besuchen unsere Patient*innen der Regel einmal wöchentlich. In der Sterbephase auch öfter. Sie sitzen dann meistens am Bett und sind einfach nur da. Die Nähe, das Berühren z.B. das Halten der Hand oder eine Fußmassage werden oft als angenehm und hilfreich empfunden.

In unseren Beratungen schauen wir gemeinsam, welcher Akteur in unserem palliativen Netzwerk zuerst gefragt ist. Wir bereiten die nächsten Schritte vor und behalten den Willen des sterbenden Menschen im Mittelpunkt.

Was berührt einen persönlich, wenn man jemanden begleitet, der auf das Sterben zugeht?

Jeder Mensch stirbt seinen eigenen Tod. Da spielen die Biografie und sein Familiensystem auch eine große Rolle. Diesen intimen Augenblick des Sterbens begleiten zu dürfen, mit auszuhalten und mitzuerleben, wie ein Mensch seinen eigenen Weg aus dem Leben sucht und findet, ist ein heiliger Moment. Das hat ganz viel mit Würde zu tun und berührt mich jedes Mal neu. Große Dankbarkeit erfüllt mich dann und das Gefühl beschenkt zu werden.