Liebe Leserinnen und Leser,

die Corona-Pandemie und ihre Bekämpfung haben uns immer noch im Klammergriff! Wie soll es möglich sein, Kontakt zu halten trotz Kontaktverbots, über so eine lange Zeit? Das betrifft nicht nur Schule, Arbeit, das öffentliche und private Leben, sondern uns auch als Kirchen. Es trifft uns im innersten Kern. Es betrifft einen wesentlichen Aspekt unseres Glaubens und Lebens: Gemeinschaft.

Glaube ist auf Gemeinschaft ausgerichtet und lebt davon: der Gemeinschaft mit Gott und der Gemeinschaft untereinander. Um ein Stück dieser Gemeinschaft zu ermöglichen und aufrecht zu erhalten, hat sich die Technik in den letzten Monaten  wirklich als Segen erwiesen.

Unglaublich viele und schöne Angebote gibt es inzwischen, um auch über Distanz hinweg gemeinsam Kraft aus dem Glauben zu schöpfen: www.evangelisch-digital, #hoffnung hamstern, Fernseh- und Radiogottesdienste, online-Andachten, online-Konfi- und Religionsunterricht, Streams, Podcasts… Einige stellen wir Ihnen in dieser Ausgabe vor.

Alle Formate wollen Hoffnung weitergeben, helfen, dass wir aneinander denken, füreinander beten können, Gott einander ans Herz und in die Hände legen und von ihm erwarten – immer wieder neu: Dass er meine Trauer in Freude wandelt; dass ich mich in meiner Einsamkeit durch seinen guten Geist dennoch verbunden weiß mit denen, die ich vermisse.

Ob wir nun vor dem Fernseher, dem Computer, dem Handy gemeinsam singen und beten oder einfach zuhören und in Gedanken dabei sind: Wir verbinden uns.

Ich kann mich auch zu einem Fernsehgottesdienst oder online verabreden. Es tut einfach gut zu wissen, dass meine Familie, meine Freunde, vertraute Menschen  jetzt auch gerade schauen; dass wir trotzdem gemeinsam beten können und vor Gott aneinander denken…  

An Ostern, zum Ewigkeitssonntag oder zu Weihnachten habe ich das ganz besonders tröstlich empfunden. Vieles vermisse ich aber nach wie vor und der „digitale Segen“ kann nicht darüber hinwegtäuschen, wie sehr mir Gemeinschaft „in echt“ fehlt; wie unendlich traurig es mich macht, wenn Menschen alleine sterben müssen oder werdende Eltern  im Kreißsaal getrennt werden.

Trotz aller digitalen Vernetzung erlebe und höre ich bei Vielen Einsamkeit – wie eine klaffende Wunde.

Und ich frage mich auch: Wie wird geistliche Gemeinschaft in Zukunft ausschauen? Werden wir etwas vermisst haben – oder geht es auch ohne persönliches Treffen, ohne Kirche, ohne Gemeinschaft vor Ort?

Das wäre schade, denn sehen, hören, riechen, schmecken, das gehört dazu – und das geht digital nicht. Das Leibliche ist wichtig in unserem Glauben – und auf die Möglichkeit des leibhaftigen Erlebens hoffe und freue ich mich jetzt schon!

Ihre Pfarrerin Ulrike Markert