Menschen antworten, wie ihr Glaube aussieht und was sie im Leben trägt

Evelyn van Meerendonk ist reges Friedenskirchen-Mitglied, im Gesprächskreis zum Glauben und aktiv in unserer Meditationsgruppe.

Sie erzählt mir, dass es für sie nur einen Schöpfergott gäbe, der sich auf unterschiedliche weise in den Religionen ausdrückt. In den Grundwahrheiten würden alle Religionen übereinstimmen. Die fernöstlichen Religionen empfindet sie als Bereicherung für den christlichen Glauben, weil sie systematische Wege aufweisen, den Glauben innerlich zu erfahren, z.B. in der Meditation.

Dass Gott ein Schöpfergott sei, beschreibe seine Funktion. Er habe die Welt erschaffen, eben auch sie – mit diesem Bewusstsein lebt sie. Allerdings geht die Schöpfung immer weiter: Wir Menschen seien sozusagen „Gottes Werkzeuge“. Es liege an uns, in Gottes Geist zu handeln, die 10 Gebote zu achten und liebevoll miteinander umzugehen.

In der Stille sei Gott für sie spürbar. In der Meditation erlebe sie, Anspannungen und Gefühlsverstrickungen des Alltags loszulassen und sich tragen zu lassen, von der Erde oder von der Schöpferkraft oder von Gottes Geist. So würde der Glaube im eigenen Herzen erlebbar.

Für sie gehe es dann auch darum, diesen Glauben im Alltag zu leben. Das erlebt sie besonders in der Familie. Liebevoll in der Familie miteinander umzugehen, d.h. einerseits ehrlich zu sein und andererseits den anderen nicht zu verletzen, das sei manchmal ein Balanceakt, der ihr mal besser, mal schlechter gelinge.

Georg Breitwieser ist reges Mitglied der Korneliuskirche in Karlsfeld, dort im Kirchenvorstand und gern gesehenes Mitglied im Gesprächskreis zum Glauben in der Friedenskirche.

Für ihn stellt ein Wort des Apostels Paulus den Kern seines Glaubens dar:
„Einer trage des anderen Last.“

In der Korneliuskirche groß geworden und seine politische Geisteshaltung in der Friedensbewegung der 80er Jahre geschärft, ist er neugierig auf Menschen und ihre sozialen Fragen. Dabei ist ihm die weltweite Verbundenheit mit Menschen, gerade mit Christen in Tansania, wo er schon dreimal gewesen ist, wichtig. Dass unser EKD-Bischof Bedford-Strohm maßgeblich ein Rettungsschiff für Flüchtlinge auf den Weg gebracht hat, findet er richtig. Hier würde Kirche endlich mal deutlich machen, was ihr Auftrag sei, nämlich Menschen in Not beizustehen.

Dass die Korneliuskirche Mitglied im Verein „Runder Tisch gegen Rassismus“ ist (wie auch die Gnaden-, Versöhnungs- und Friedenskirche) empfindet er nur als konsequent.

In unserem Gespräch habe ich den Eindruck gewonnen, dass Georg Breitwiesers Glaubenssicht sehr politisch-sozial ist und er dabei gerade seinen kritischen Blick auf unsere Kirche nicht verliert. Dass seine Klimabilanz nicht optimal ist, weiß er: Er fährt nämlich gern Auto.

Judith Stein aus Petershausen, auch Mitglied im Gesprächskreis zum Glauben, fragt sich und fragt Gott:

„… Je mehr ich die politischen Ereignisse der Vergangenheit und Gegenwart begriffen hatte, um so öfter sind Zweifel in mir entstanden an der Allmacht Gottes, die Kriege beenden könnte. Warum wirkt diese Allmacht nicht so, dass Frieden zwischen den Völkern, zwischen uns Menschen und besonders in jedem von uns entsteht?

… Dann frage ich Gott: Wo ist Dein Geist, der uns erleuchten könnte, uns zur inneren Ruhe verhelfen würde, damit wir verstehen lernen – und damit meine ich auch: die Zusammenhänge unserer ganz persönlichen Lebensgeschichte begreifen lernen?“

Pfarrer Thomas Körner