Das apostolische Glaubensbekenntnis

„Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, …“. Diese Worte – oft gemurmelt – höre ich hinter meinem Rücken, wenn ich am Sonntag vor dem Altar stehe und wir gemeinsam das Glaubensbekenntnis sprechen. Manchmal gibt es Gottesdienste, da ist es sehr still – kaum jemand spricht mit mir diese alten Worte. Die einen sind lieber in Gedanken dabei. Andere sprechen sie bewusst nicht mit. Sie sind skeptisch: Was davon glaube ich wirklich?

Ganz offiziell heißt dieser Text „Apostolisches Glaubensbekenntnis“ oder „Apostolicum“. ChristInnen haben nach Worten gesucht für das, was ihnen an ihrem Glauben am wichtigsten ist. Seinen Namen verdankt das Bekenntnis der jahrhundertelangen Annahme, die Apostel selbst hätten es als Gemeinschaftsarbeit, inspiriert vom Heiligen Geist, formuliert. Bekannt ist: seine Wurzeln liegen im 2. Jahrhundert.

Warum sprechen wir diese Worte Sonntag für Sonntag – auch wenn sich viele mit ihnen schwer tun?

Ich würde vor allem sagen: Ich verbinde mich mit einer Gemeinschaft. Dieses Glaubensbekenntnis sprechen Christen in vielen Kirchen, schon lange bevor ich geboren wurde. Menschen werden sie sprechen, wenn ich nicht mehr da bin. Gerade an Sätzen, die nicht so einfach sind, spüre ich: Ich gehöre zu einer Gemeinschaft, deren Glauben größer ist als ich allein fassen kann.

Außerdem finde ich es entlastend, dass ich mir nicht jeden Sonntag neu eine Zusammenfassung meines Glaubens ausdenken muss, sondern auf geprägte Worte zurückgreifen kann. Stellen, die mir gerade nicht so wichtig sind oder an denen ich mich reibe, bekennen andere voller Vertrauen. Deswegen fände ich es auch schade, einzelne Sätze zu streichen.

Warum gibt es eine evangelische und eine katholische Version?

Vielleicht ist es Ihnen aufgefallen: Katholiken sagen „die heilige, katholische Kirche“, Evangelische „die heilige, christliche Kirche“. Diesen Unterschied gibt es v.a. in Deutschland, dem Stammland der Reformation, und er hat historische Gründe: Man wollte sich früher bewusst voneinander abgrenzen. Eigentlich könnten wir auch „katholisch“ sagen, denn es bedeutet im Griechischen „allgemein“ oder „weltumspannend“.

Was ist mit anderen Bekenntnissen?

Wer googelt, findet viele christliche Bekenntnisse, alte und neue.

Ich genieße es immer wieder mal mo­derne Bekenntnisse zu sprechen oder auch zu singen, besonders wenn sie die „Lücke“ in Jesu Leben füllen: zwischen seiner Geburt und seiner Kreuzigung lag Jesu Wirken, das mir in meinem Glauben sehr wichtig ist.

In der Versöhnungskirche wird das Glaubensbekenntnis Dietrich Bonhoeffers gesprochen (s. letzte Seite). Bonhoeffer hat es im Dezember 1942 verfasst – fast zehn Jahre nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland und dem Ringen der Protestanten um ihr Verhältnis zum NS-Staat.

In den Glauben hinein wachsen

Wussten Sie, dass alte Taufkleider mit Absicht zu lang waren? Das lange Kleid drückt aus:  Der Glaube ist für das Taufkind noch zu groß. Es muss da erst hineinwachsen.

Wer erwachsen ist, merkt: Das ist eine lebenslange Aufgabe. Damit wird man nicht einfach fertig. Und ehrlich gesagt: dieser Aufgabe möchte ich auch gar nicht entwachsen!

Pfarrerin Christiane Döring

(Photo privat)