Ermutigende Worte

Viele Geschichten des Alten Testaments bzw. der hebräischen Bibel erzählen von Auf­brüchen, die Menschen wagen.

Sie werden von einer göttlichen Stimme ge­rufen. Sie machen sich auf den Weg, oft in eine noch ungewisse Zukunft. Und sie sind be­gleitet von dem Zuspruch „Gott wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht. Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht.“

So soll es am Anfang der israelitischen Geschichte Abraham und seiner Frau Sara ergangen sein, als sie aus Ur in Chaldäa aufbrachen, um in das für sie unbekannte Land Kanaan zu ziehen. Bei allen Wirrungen und Irrungen, die sie erlebten und erlitten, beglei­tete sie das göttliche Wort „Ich will dich segnen und dir einen großen Namen machen“.

In der großen Exodus-Erzählung, dem Auszug aus der Sklaverei in Ägypten, brechen die Israeliten unter Leitung von Mose auf. Gott selber führt sie, indem er ihnen des tags als Wolkensäule, des nachts als Feuersäule vorausgeht. In allen Krisen, Anfechtungen und Zweifeln begleitete sie ihr Gott.

Als der Prophet Elia, seines Amtes müde, von seinen Feinden verfolgt wurde, floh er in die Wüste, legte sich unter einen Ginster und wünschte sich zu sterben. „Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele.“ Zweimal kam ein Engel zu ihm, stellte ihm ein geröstetes Brot und einen Krug Wasser hin und sagte: „Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“ Die Bewahrung in der Lebenskrise wird hier wunderschön mit dem Bild eines stärkenden Engels dargestellt.

Handeln diese Geschichten von einzelnen Menschen, so suchen wir in der Übertragung, was dies für uns Heutige bedeutet.

Wenn ich auf eine ungewisse Zukunft zu­steuere, macht mir das erstmal Angst. Ein gutes, aufmunterndes oder tröstendes Wort zu hören, könnte meine Angst begrenzen und meinen Blick klären, was als nächstes zu tun ist.

Ich glaube, dass es gerade jetzt auch einige Krisensituationen gibt. Die Folgen der Corona-Pandemie treffen uns sehr unterschiedlich. Ich selber fühle mich wie viele andere immer mal wieder deprimiert. Die Vorstellung, dass ein Engel mir Brot und Wasser hinstellt – sozu­sagen eine Wegzehrung  –, tröstet mich dann, und ich raffe mich auf, dem neuen Tag zu begegnen.

Andere haben existentielle, finanzielle Sorgen. Das deutet jetzt die Caritas-Schuldner­beratung an. Da braucht es mehr, nicht nur Gespräche, sondern auch finanzielle Unterstützung.

Die Exodus-Erzählung spielt für das Judentum eine zentrale Rolle. An jedem Pessach-Fest (um Ostern herum) wird diese Geschich­te in der Familie und in der Synagoge gelesen. Juden vergewissern sich da ihrer gemeinsamen Geschichte. Der Exodus ist dabei so etwas wie der Gründungsmythos ihres Volkes. Diese Erinnerung setzt Hoffnungen frei, auch aus jetzigen Unterdrückungen mit Gottes Hilfe herauszukommen.

Thomas KörnerPfr. Thomas Körner