Liebe Leserinnen und Leser,

grüne Bergwiesen, verzweigte Wanderwege, weiß-blau-bayerischer Himmel. Den Blick in die Ferne gerichtet, so sitzt sie da. Eine mir unbekannte Frau. Den Rucksack hat sie noch auf den Schultern. Oder schon wieder? Hat sie sich gerade erst hingesetzt, um zu rasten? Oder ist sie kurz davor, wieder aufzubrechen und weiterzugehen? Wer weiß …

Das Bild auf der Titelseite weckt in mir eine Sehnsucht, vor allem in Verbindung mit der letzten Seite des neuen Gemeindebriefes. Da wächst in mir der Wunsch nach einem Aufbruch zurück in die Normalität. Ein wenig dem „coronalen“ Alltagstrott entfliehen, endlich wieder mal in den Urlaub fahren. Einfach los – aufbrechen – unterwegs sein. Und das ohne vorher die Inzidenzzahlen zu prüfen oder nachzusehen, ob das Reiseziel zu einem Risikogebiet gehört. Bald wird auch das hoffentlich möglich sein. Dann können wir wieder unbeschwerter aufbrechen – in den Urlaub, zu Freunden, in den Biergarten, wo immer es uns hinzieht.

Hingezogen hat sich auch Dieter Würl gefühlt, und zwar zu seiner Geburtsstadt Bunzlau in Niederschlesien. Mit 4 Jahren musste er sie verlassen und kam nach Dachau. Die Neugier auf Bunzlau bleibt und so bricht er mutig auf zu einer spannenden Suche, bei der er mehr findet als sein Elternhaus.

Manchmal braucht es erst einen völligen Zusammenbruch, um aufzubrechen und neu zu beginnen. So war es bei Alfred Endres, der in die Alkoholsucht rutschte und fast daran starb. Seinen ersten Gedanken als er aus dem Koma erwacht ist, können Sie im Interview nachlesen, das Cécile Koch geführt hat. Ein ehrliches Gespräch über einen mutigen Aufbruch in ein neues Leben.

Ein Aufbruch – der kann spannend, aufregend, manchmal aber auch schmerzhaft sein. Er macht neugierig, nervös oder traurig, manchmal auch eine Mischung aus ganz verschiedenen Gefühlen.

So war es bei mir. Auch für mich stand unlängst ein Aufbruch an, hinein ins Neue, zu Ihnen nach Dachau, in die Friedenskirche. Die erste eigene Pfarrstelle. Nicht mehr Vikarin, sondern Pfarrerin. Endlich! Da schwingen ganz unterschiedliche Gefühle mit: Aufregung und Neugier: Wie wird die neue Gemeinde sein? Aber auch Nervosität: Wie wird der Anfang sein, wie können wir uns kennenlernen in der jetzigen Situation…? Zugleich war und ist da eine große (Vor-)Freude! Freude über das herzliche Willkommen bei meiner Ordination und die Begegnungen, die schon stattgefunden haben. Freude über die Gottesdienste, die wir wieder miteinander vor Ort oder im Streaming feiern. Und Vorfreude auf so vieles, was noch kommen wird. Auf weitere Begegnungen und Gespräche mit Ihnen, kommende Veranstaltungen, die Konfirmationen, …

Es ist ein Aufbruch in besonderen Zeiten für Sie und für mich. Ich freu mich darauf, gemeinsam mit Ihnen unterwegs zu sein!

Ihre Pfarrerin Lisa Bühler