Der Advent als Erwartungs- und Ankunftszeit

Ankunft, das heißt lateinisch „Advent“. Kirchlich verstanden ist damit die Ankunft Gottes in dieser Welt als Mensch, als Kind, gemeint.

Es ist interessant, dass nicht einfach so, von einem Tag auf den anderen, Weihnachten gefeiert wird, sondern dass diesem großen, wunderbaren Fest eine Vorbereitungszeit vorausgeht. Eine Zeit, in der man sich äußerlich und innerlich vorbereiten kann, auf das, was kommt, auf den, der kommt. Ich entdecke darin eine tiefe Lebensweisheit:

Das, was da kommt, betrifft mein ganzes Leben. Es kann und will mich, ja die ganze Welt, verändern. Darauf stimme ich mich ein. Ich bereite mich vor, ich öffne mich für das Neue, das in meinem Leben Raum nehmen will.

Früher wurde die Adventszeit als „Bußzeit“, Fastenzeit begangen: Zeit, das Leben zu überdenken und neu auszurichten. Darin drückte sich wohl ein tiefes Wissen aus, dass Veränderung Zeit braucht, dass sie nicht von jetzt auf gleich geschieht und dass sie nicht immer nur angenehm ist, sondern uns auch etwas abverlangt, z.B. den Verzicht. Zeiten der Veränderung konfrontieren uns auch oftmals mit „dunklen“, verdrängten, schmerzhaften oder schuldhaften Seiten unserer Person oder der Welt.

Lässt man sich auf so eine Zeit bewusst ein, dann können ganz neue Erfahrungen entstehen, vielleicht auch ganz Neues, Ungeahntes.

Übrigens ist das der Grundgedanke aller Spiritualität: das Innehalten, das bewusste Schauen und Hören und Sein. Es gibt im Grunde kein spirituelles Fast-food. Zu sich zu kommen, in die Tiefen der eigenen Seele vorzudringen, Gott zu begegnen, verändert zu werden: es braucht Zeit.

Die vier Sonntage im Advent beschreiben ganz umfassend Gottes Ankunft in dieser Welt:

Am ersten Advent hören wir vor allem die große Verheißung des Alten Testaments, die den Messias erwartet, einen Friedensbringer, der die Menschen und die Welt verändern wird.

Im Wochenspruch des ersten Advents heißt es: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer“ (Sacharja 9,9). Gott wird selbst für diese Verheißung einstehen und der Welt den Heiland senden.

Der Wochenspruch für die zweite Adventswoche lädt ein: „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ (Lukas 21,28)

Das heißt sinngemäß: „Seid aufmerksam, schaut bewusst hin, hört hin: Eure Erlösung zeichnet sich schon ab, sie beginnt schon hier und jetzt.

Haltet eure Sehnsucht wach nach einer gerechten, friedlichen, versöhnten Welt ohne Not, ohne Leid, ohne Schuld.“

Bemerkenswerterweise wird dann am dritten Advent eine biblische Geschichte erzählt, die eigentlich am Anfang der Karwoche zentral ist: Jesu Einzug in Jerusalem.

Jesus ist dieser verheißene Messias, der Friedenskönig, der die Wunden der Menschen heilt, der Vergebung, Versöhnung, Hoffnung und Gerechtigkeit schenkt.

Ausdrücklich ruft der Wochenspruch des dritten Advents dazu auf, mitzuwirken, dass der Heiland in dieser Welt ankommen kann.

„Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig.“
(Jesaja 40,3+10)

Der vierte Adventsonntag gibt schließlich einen Ausblick darauf, dass sich am „Ende der Zeit“ vollenden wird, was mit Jesus begann: Friede und Gerechtigkeit werden herrschen in Gottes Welt auf ewig. Mit Christi Wiederkunft bricht diese Heilszeit endgültig an.

Darum ruft der Wochenspruch der 4. Adventswoche, an deren Ende das Weihnachtsfest steht, zur Freude auf: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!“ (Philipper 4,4-5)

Pfrin. Ulrike Markert

Fotos: Markert