Erklärungsnöte angesichts des Todes

Einen geliebten Menschen zu verlieren, ist ein schweres Erlebnis. Das zu verarbeiten, braucht Zeit, kostet Mühe und führt bisweilen auch in eine Leere. Denn: Kein Mensch wird jemals mit Sicherheit etwas über die Zeit nach dem Tod aussagen können. Sie liegt für uns im Trüben.

Trotzdem brauchen Menschen Erklärungen, die diese Dunkelheit etwas aufhellen. Sie haben das Bedürfnis nach etwas, woran sie sich festhalten können.

Im Gespräch mit Kindern in der Schule höre ich zahlreiche Erklärungsversuche für das, was nach dem Tod passiert. „Meine Oma ist jetzt ein Engel.“, meint eine Schülerin. „Vom Himmel aus schaut sie auf mich und meine Familie und passt auf uns auf.“ Ein Junge schüttelt den Kopf: „Ich glaube nicht, dass nach dem Tod irgendetwas ist. Man zerfällt zu Erde, hat mir mein Papa gesagt.“

Viele Kinderbücher versuchen Licht ins Dunkel nach dem Tod zu bringen.

Eines erklärt: Vor der Geburt eines Menschen sei er ein Stern am Himmel.
Dort habe er viele Sternenfreunde, doch irgendwann rufe ihn die Liebe zweier Menschen zueinander. Dann lasse sich eine Sternschnuppe zur Erde fallen – ein Mensch wird geboren. Am Ende seiner Erdenzeit kehre der ehemalige Stern wieder zurück zu seinen himmlischen Freunden, die ihn bereits vermisst haben.

Der Sternenhimmel als Ort, an dem die Verstorbenen sind – ist das ein tragfähiges Bild für Christen, die in der Dunkelheit der Trauer gefangen sind? Zugegeben: Dieser Erklärungsversuch klingt verlockend: Da bleibt der oder die Tote im wahrnehmbaren Bereich eines Menschen, wenn auch nur ganz entfernt. Und auch die Vorstellung vom „Himmel“, von einem „über uns“, wird in das Bild integriert.

Aber andere – christliche – Hoffnungsbilder entfernen sich vom Sichtbaren, von Raum und Zeit, wenn sie über den Verbleib der Toten sprechen. Sie helfen uns loszulassen. Die Bibel entfaltet handfeste Bilder der kommenden Welt: Der Tod verliert seine Macht durch die Auferstehung von Jesus Christus. Wie er werden auch wir auferstehen in der kommenden Welt, in der Gott unter den Völkern als gerechter Herrscher wohnt. Er tröstet die Traurigen und wischt die Tränen, die sie weinen mit einem weichen Taschentuch ab. Er hält eine andere, nie dagewesene Zukunft für sie bereit: Eine Welt ohne Schmerzen, ohne Unheil und Tod. Nicht fernab im Sternenhimmel, sondern auf seiner erneuerten Erde.

Antonia Ehemann