zeigt uns den Weg

Sterne sind etwas Faszinierendes. Viele Menschen sprechen Ihnen geheime Kräfte oder auch Mächte zu. Sie versprechen sich von ihnen Halt und Orientierung. Kaum eine Illustrierte kommt ohne ein Horoskop aus, das wohl auch eifrig gelesen wird.

Neu ist das nicht. Auch die Bibel kennt solche Menschen und drei sind sogar weltweit berühmt geworden: Die drei Weisen aus dem Morgenland waren wohl auch solche Sterndeuter. Jedenfalls folgen sie einem Stern. Kommen von wo auch immer her und landen schließlich beim Kind in der Krippe in Bethlehem. Und noch heute wird bei fast jedem Krippenspiel gesungen: „Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg“.

Doch es ist wichtig, sich klarzumachen: Sterne haben in der Bibel keine geheimnisvollen Kräfte. Halt geben sie erst recht nicht. Orientierung allerhöchstens in ganz dunklen Nächten und wenn es gerade keinen elektrischen Strom oder anderes Licht gibt. Schon im Schöpfungsbericht werden sie lediglich als eine Art Lampe beschrieben, die Gott an den Himmel gesetzt hat. Und damit ist klar, wer die eigentliche Macht hat: Gott der Schöpfer natürlich und nicht seine Geschöpfe.

„Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg“. Ist es also falsch, an Weihnachten dieses Lied zu singen? Keineswegs! Der Stern führt ja schließlich zur Krippe hin; und zum Kind und Mensch gewordenen Gott. Und der kann dann wirklich Halt und Orientierung geben. Gerade weil es so schwer zu denken ist: Gott als Kind! Gott als Mensch, der sich dann später auch noch ans Kreuz schlagen lässt.

Wie soll und kann man das verstehen? Wie soll man das glauben? Da kommen doch zwei Dinge zusammen, die eigentlich nicht zusammen gehören.

Doch ich denke, es ist genau diese Kombination von zwei eigentlich nicht zusammengehörenden Polen, die dem Christentum auch heute noch seine ungeheure Strahlkraft gibt. Und das Christentum zu einer besonderen Religion macht. Es ist dieser Gedanke, dass Gott Mensch geworden ist, der bestehen bleibt, wenn alles andere zusammen zu brechen droht.

Also lasst uns auch dieses Jahr wieder dem Stern folgen! Und betend und staunend versuchen zu verstehen, was da geschehen ist und was da in der Krippe zu sehen ist.

Joachim Erbrich