Der Ursprung der Weihnachtssterne

Ein Mathelehrer bereitet seinen Unter­richt für den nächsten Tag vor: die Kinder sollen Neues in Geometrie lernen, aber viele schauen aus den Fenstern und träumen sich nach West-Indien oder Surinam. Die Kinder sind die Töchter und Söhne von Missionaren der Herrnhuter Brüdergemeine (wirklich ohne „d“ in Gemeine), die zur Schulausbildung ins Internat nach Herrnhut in der Oberlausitz gegeben wurden. Besonders an den grauen Novembertagen und im Advent hatten viele Heimweh und vermissten ihre Eltern.

Der Lehrer entschied: Wir bauen den Stern von Bethlehem aus geometrischen Figuren! So entstand vor bald 200 Jahren der erste Herrnhuter Weihnachtsstern.

Geometrisch kann man ihn so beschrei­ben: der Sternkörper besteht aus einem Rhombenkuboktaeder als Grundkörper mit aufgesetzten spitzen Pyramiden. Die Pyramiden haben meist eine quadra­tische Grundfläche, ein Teil der Flächen ist dreieckig. Ich weiß nicht, ob die Kinder sich das damals alles merkten, aber sie bastelten in der Adventszeit viele Sterne, schmückten damit ihre In­ternatszimmer und nahmen sie schließ­lich auch mit nach Hause. So verbreitete sich der Herrnhuter Stern auf der ganzen Welt – und auch in Dachau! Wenn Sie an Heilig Abend in der Friedens- und in der Gnadenkirche zur Decke schauen, sehen Sie ein Exemplar leuchten.

Ursprünglich gab es die Sterne nur in den Farben Weiß und Rot. Rot für das Blut Jesu und weiß für die Reinheit.

Marco Barnebeck/pixelio.de

Die Herrnhuter Brüdergemeine heißt offiziell Evangelische Brüder-Unität. Sie hat ihren Ursprung in der Reformation des 15. Jahrhunderts in Böhmen. Als Glaubensflüchtlinge kamen die Nachfah­ren im 18. Jahrhundert nach Herrnhut und durften sich dort auf dem Gebiet des Grafen Nikolaus Ludwig von Zinzendorf niederlassen, der sich dann selbst mit seiner Frau der Gemeinschaft anschloss. So entstand der Name „Herrnhuter Brüdergemeine“.

Heute ist die Evangelische Brüder-Unität der Evangelischen Kirche in Deutschland angegliedert und Gastmitglied in der Ver­einigung evangelischer Freikirchen.

Vielleicht kennen Sie außer dem Stern auch die Herrnhuter Losungen, die seit 1731 herausgegeben werden. Für jeden Tag des Jahres wird ein alttestamentlicher Bibelvers ausgelost und mit Versen aus dem Neuen Testament und einem Lied oder Gebet ergänzt. Bei Christen auf der ganzen Welt liegt dieses Andachtsbuch auf dem Frühstückstisch oder erscheint als App auf dem Smartphone als guter Gedanke für den Tag.

Christiane Döring