Zwei Frauen antworten.

Lebendig fühle ich mich in vielen Situationen, wann aber am lebendigsten? Beim länger darüber Nachdenken haben sich bei mir zwei Gedanken herauskristallisiert:

Ich fühle mich lebendig, wenn ich in Kontakt und Austausch mit anderen Menschen stehe. Mit einer positiven Neugier diesen Menschen kennenlernen, seine Lebenswelt und seine Persönlichkeit, mit dem, was ihn ausmacht.
Der andere Gedanke spiegelt sich in einer Situation diesen Sommer wieder: Ich hatte die Möglichkeit, ein paar Tage auf dem Motorboot eines Freundes am Gardasee zu verbringen. Bei einer Fahrt auf dem See stand ich am Führerstand. In diesem Augenblick hätte ich die ganze Welt umarmen und laut schreien können vor Glück. Ich fühlte mich in diesem Augenblick ganz bei mir und im Hier und Jetzt, fühlte mit allen Sinnen: den Fahrtwind, die Wärme der Sonne, den Geruch des Wassers …Ich fühlte mich in diesem Augenblick mit mir ganz im Reinen und bei mir selbst.

Friederike Albrecht

Spüren, dass ich lebe – das erfahre ich ganz oft. Recht jäh, wenn ich mir nachts den kleinen Zeh an einem Möbelstück anhaue und mich gerne in Luft auflösen möchte, bis der Schmerz verklungen ist. Wenn ich mich dem „Dasein“ aussetze, ist das nicht immer angenehm. Aber das „lebendig fühlen“ betrifft dennoch wesentlich stärker – und auch häufiger – richtig gute Momente. Solche, in denen ich einfach dankbar bin, hier und jetzt auf dieser Welt zu sein und dieses Leben zu leben. Für mich habe ich festgestellt, dass diese Momente oft ganz ruhige sind. Und welche erdende Wirkung Tiere haben können.

Ein Beispiel: Vor einer Weile, noch während meines Studiums, konnte ich vor einer Klausur ausreiten gehen, um mich abzulenken. Eigentlich hatte ich nur die Klausur im Kopf und ob ich die Uni bald würde abschließen können. Kein Moment, in dem ich wirklich auf das Leben konzentriert war, nur auf die bevorstehende Prüfung. Aber als ich an diesem Vormittag auf dem Pferd saß, kurz nach Sonnenaufgang, die nebligen Felder des Dachauer Hinterlandes um mich herum, stellte sich dieses Gefühl ein: In diesem Moment lebe ich, und das ist absolut gut. Ein Augenblick, in dem das Leben nichts einfordert, außer es zu leben und wertzuschätzen.

Luise Krispenz