Liebe Leserinnen und Leser,

sie ist am Ende: Maria von Magdala hat sich aufgemacht am frühen Ostermorgen, so erzählt es das Johannesevangelium (Kapitel 20). Aus einem „tod-traurigen“ Anlass. Sie will zu Jesus, dem Gekreuzigten und Toten. Wie konnte sein Weg nur so enden?! Voller  Verzweiflung, Angst, Trauer und Unsicherheit ist sie unterwegs zu seinem Grab. Es wird ihr unendlich schwer gefallen sein, einen Fuß vor den anderen zu setzen.

Viele von Ihnen wissen aus eigener Erfahrung, wie sich solche Belastungen anfühlen, wie sie den Lebensmut abschnüren können.

Aber dann kam alles anders. Wieder. Genau in dieser Situation ereignet sich das, was die Jüngerinnen und Jünger „Auferstehung“ nennen: Maria von Magdala erfährt, wie sich ihr Leben grundlegend wandelt.

Aus Verzweiflung wird Freude, aus Mutlosigkeit wird Lebenssinn und aus der Farbe des Todes, die sich über alles gelegt hat, wird der Geschmack des Lebens!
Das Grab wird zum Ort der Auferstehung
–   von Jesus und von Maria von Magdala.

Ostern kann sich ereignen in Marias Leben, weil sie sich in einem ganz umfassenden und überwältigenden Sinn „erinnert“. Sie erinnert sich, dass Jesus Menschen geheilt hat –  Auferstehungserfahrungen mitten im Leben!
Sie erinnert sich, dass Jesus unterdrückten, ausgebeuteten und schuldig gewordenen Menschen die Gerechtigkeit Gottes zugesprochen hat – und zwar nicht erst, wenn sie tot sind!

Sie erinnert sich, dass Jesus zugesagt hat, bei seinen Jüngerinnen und Jüngern zu bleiben –  über den Tod hinaus!

Diese Erinnerung ist aber nicht rückwärtsgewandt, sie will das Alte und Vergangene nicht festhalten und zementieren. „Halte mich nicht fest!“, sagt Jesus zu Maria von Magdala. Stattdessen erhält sie den Auftrag, die frohe Botschaft seiner Auferstehung und den Beginn des neuen Lebens weiter zu sagen und weiter zu tragen in
die Welt hinein.

Auferstehung, so erfährt sie, ist kein abgeschlossener Zustand, sondern ein Geschehen, das sich im Leben der Menschen ereignet und immer wieder ereignen kann.

Was für eine Kraft in diesem Glauben liegen kann: “ Dies ist das Ende, für mich der Beginn des Lebens.“  Das sind die letzten überlieferten Worte Dietrich Bonhoeffers.  Man muss kein Märtyrer sein wie er, um so gefasst und voller Hoffnung dem eigenen Ende entgegen sehen zu können. Ich durfte es mehr als einmal erleben, wenn ich Sterbende begleitet habe. Aber auch, wenn Menschen, die „am Ende“ waren, neuen Lebensmut
gefasst haben.

Ich wünsche uns und Ihnen, dass wir so Ostern feiern können, uns immer wieder neu diesem Leben mutig in die Arme werfen.

Ihre Pfarrerin Ulrike Markert